Über die Unmöglichkeit einer Möglichkeit, die Welt zu verbessern

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Als ich 13 Jahre alt war, schien die Welt noch zu retten, auch oder gerade weil so viel im Argen lag, mit der Natur und der Regierung. Die Regierung wollte nicht einsehen, dass es wirklich ernst um den Wald stand und dass wir dauerhaft etwas gegen den sauren Regen tun mussten.

In meinem jugendlichen Überschwang trat ich dem B.U.N.D. bei und organisierte Infostände in den benachbarten kleinen Städten. Doch es erbarmte sich selten jemand aus der ländlichen Bevölkerung, durch Spenden oder Gespräche. Man belächelte uns. Ich kann mich noch erinnern, dass jemand tatsächlich fünf ganze D-Mark gespendet hat.


Aber es gab jemanden, der von unserer Aktion beeindruckt war: der Oberförster. Ein Mann, der ein wenig an Breschnew erinnerte, mit seinen dichten Augenbrauen und seinen strahlenden Augen. Durch seine Erfahrung und vielleicht auch durch unsere Aktion wurde er zum Nachdenken angeregt. 1981 entschloss er sich dazu, keine Nadelbäume mehr in den heimischen Wäldern anzubauen, sondern komplett auf Laubbäume zu setzen.

Ich glaube, außer mir hat das kaum jemand bemerkt. Heute könnte man diesem Mann danken für seine Weitsicht. Leider ist er mittlerweile verstorben.


Der Wald in der Region lebt allerdings noch und die Generation nach der Ignoranten von 1981 kann sich an grünen Laubbäumen erfreuen, anstatt an unendlich scheinenden Hängen von gerodeten Nadelbäumen, wie in den meisten Teilen von Deutschland. Klimawandel und Trockenheit, werden gern als Ursache für diese katastrophale Entwicklung genannt, doch einen großen Anteil hatte auch die Gier und Ignoranz letzter Generationen, welche nur auf den schnellen Gewinn durch schnell wachsendes Holz aus waren.


Wenige Jahre später nach dieser Aktion bemerkte ich, dass große Institutionen, die sich für den Naturschutz einsetzten, nicht wirklich meine Welt war. Plakate schwingen und für oder gegen etwas demonstrieren, das lag mir nicht. Ich sammelte lieber auf langen Wanderungen durch den Wald den Müll auf und warf ihn zu Hause in die Mülltonne.

Meine Kindheit und vorwiegend auch die Schulzeit, in der ich eigentlich etwas fürs Leben hätte, lernen sollen, verbrachte ich meistens im Wald. Er brachte mir, wie ich fand, wichtigeres bei. Vielleicht ebnete diese Begegnung und die Erlebnisse mit Pflanzen und Tieren, den Weg für mein später großes Interesse am Schamanismus.

Wieder galt es, etwas zu retten und zu erhalten, das vom Aussterben bedroht war. Wissen, indigene Völker, Naturheilkunde bei den einen und bei den anderen sogenannten Zivilisierten, die Rückbesinnung an wirkliche Werte, neben Hochglanz-Illus und Optimierungswahn. Doch plötzlich begannen viele Menschen, die sich doch für so spirituell erachteten, viel Geld mit Banalitäten zu verdienen und machten Reisetripps zu Urvölkern, die sich in ihrer ureigenen Sprache über die Touristen lustig machten, in dem Wissen, dass der Dolmetscher schon nichts Falsches übersetzen würde.

Auch das war wieder nicht meine Welt. Mit den Schamanen, die mir begegneten und mit denen ich manche Nächte verbringen konnte und durfte, war es wundervoll, aber mit den ausgehungerten Europäern, die jeglichen Bezug zu ihren eigenen Wurzeln verloren hatten, wurde es von Jahr zu Jahr unerträglicher.

Irgendwann begann ich, ähnlich den Schamanen, die ich kennengelernt hatte, diesen Suchenden blanken Unfug zu erzählen, aber sie merkten es nicht, selbst wenn ich sie auf meinen dargebrachten Unsinn aufmerksam machte. Nein, das musste heilig und wichtig sein, schließlich hatten sie ja nicht gerade wenig Geld für das gebuchte Seminar bei mir bezahlt.

Dieser Umstand hat mich letztendlich so traurig gemacht, dass ich sämtliche Lehrtätigkeiten an den Nagel gehängt habe. Es brauchte dann ein paar Jahre, bis ich wieder bereit dazu war, mich mit meiner Außenwelt zu beschäftigen.


Trotzdem glaube ich fest daran, dass wir die Welt positiv verändern können. Dabei lasse ich mich von Politikern, die falsche Entscheidungen treffen, nicht unterkriegen oder ablenken.

Nach drei Jahren auf Twitter unter Corona-Bedingungen und angesichts sich ausbreitender faschistischer Gesinnungen ist mir meine Zeit zu schade, um mich mit derartigen Belanglosigkeiten auseinanderzusetzen.

Lieber zaubere ich Menschen, durch ein paar auf Mastodon getippte Gedanken, ein Lächeln ins Gesicht, oder helfe älteren Menschen bei der Suche nach Lebensmitteln im zu großen Supermarkt. Sammle vom Wind verwehte Coronamasken in Wäldern von Bäumen, damit sich keine Tiere darin verfangen und elender daran versterben müssen, als man uns Menschen über Jahre eingetrichtert hat. Die biologisch nicht abbaubaren Sammelmasken landen dann in der heimischen Mülltonne, auch wenn sie besser als Sondermüll behandelt werden sollten.


Jeden Tag ein bisschen etwas gegen den eigenen Egoismus zu unternehmen und damit vielleicht, wenn auch nur ein ganz klein wenig, den etablierten gesellschaftlichen Scheuklappen-Wahn zu durchbrechen, das ist gerade aktuell so meine mir selbst gesetzte Aufgabe. Es gibt Situationen, da gelingt das und macht zufrieden.


Wir können alle etwas für eine bessere Welt tun, wenn auch oft nur im Kleinen, so wird gemeinsam und auf lange Sicht, doch etwas Großes Gutes daraus entstehen.


Wir können unsere Fähigkeiten und Talente nutzen, um anderen zu helfen. Vielleicht können wir als Freiwillige arbeiten, um Obdachlosen zu helfen, in einem Tierheim arbeiten oder unsere handwerklichen Fähigkeiten nutzen, um Gegenstände für wohltätige Zwecke herzustellen.


Wir können auch durch unsere täglichen Interaktionen mit anderen Menschen eine positive Veränderung bewirken. Eine freundliche Geste, ein aufmunterndes Wort oder ein einfaches Lächeln kann den Tag einer anderen Person verbessern.


Schließlich können wir durch das Teilen unserer Erfahrungen und unseres Wissens dazu beitragen, andere zu inspirieren und zu motivieren. Ob durch soziale Medien, einen persönlichen Blog oder einfach durch Gespräche mit Freunden und Familie – wir können dazu beitragen, eine positivere Zukunft aufzubauen, indem wir unser Wissen und unsere Erfahrungen teilen.


So kann aus der Unmöglichkeit, die Welt zu retten, eine Möglichkeit erwachsen, uns selbst zu retten und damit ein Wunder zu bewirken.



Viel Erfolg!

Igor Warneck

Igor Warneck

Schreiben gehört seit meinem dreizehnten Lebensjahr zu mir. In der Zwischenzeit habe ich einige Bücher veröffentlicht, dann auch mal die Lust an dem Ganzen verloren und jetzt wiedergefunden.

Fotografie ist für mich das entdecken des Verborgenen, um es für meine Mitmenschen sichtbar und auffindbar zu machen.

Mein Ziel: Kreativität statt Rente – denn von der kann ich als lebenslang Selbständiger nichts erwarten. Dem Sozialstaat will ich nicht zur Last fallen und verzichte daher auf das was mir zustehen würde aus freien Stücken.

Lieber schreibe ich Texte für die Gemeinschaft – zur Unterhaltung, zum Nachdenken und gegen so manch alltäglichen Wahnsinn.

Ein Dasein als Lebenskünstler ist möglich – ich lebe es seit vielen Jahren. Wenn Du das unterstützenswert findest, kannst Du unter dem Link mehr darüber erfahren:

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