Das Ende der Esoterik wird ihre Verdummung sein

Wie alles begann

„Esoterik (von altgriechisch ἐσωτερικός esōterikós ‚innerlich‘, dem inneren Bereich zugehörig‘) ist in der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs eine philosophische Lehre, die nur für einen begrenzten „inneren“ Personenkreis zugänglich ist, im Gegensatz zu Exoterik als allgemein zugänglichem Wissen. Andere traditionelle Wortbedeutungen beziehen sich auf einen inneren, spirituellen Erkenntnisweg, etwa synonym mit Mystik, oder auf ein „höheres“, „absolutes“ und arkanes, althergebrachtes Wissen.“ – So steht es in Wikipedia und Wikipedia muss es ja wissen.

Damals, also zu der Zeit, als ich mit Esoterik in Berührung kam, waren noch Psychotherapie und Bewusstwerdung in. Das war eben damals. Und wer nicht mindestens in einer Therapie war, als Zeichen der inneren Weiterentwicklung, oder drei Psychotherapeuten verschlissen hatte, galt einfach nichts. – Ein bisschen später hat man dann sehr gerne nach Gurdjeff geatmet und seine Aggressionen in der Gruppe herausgelassen. Und wehe dem, der sich dabei nicht komplett öffnete und mindestens zweimal heulend zusammenbrach – das war nicht glaubwürdig.

So war das damals und es war auch gut so. Jede Zeit hat ihre eigenen Blüten. Auch wenn ich mich persönlich schon seit frühester Jugend an die Blüten der 20er und 30er Jahre erinnerte und mich nach ihnen sehnte. Das erschien mir, wenn auch leider danach geboren, ehrlicher.

Ich stolperte damals auch in diese Esoterik und der Erste der mir davon erzählte war Thorwald Dettleffsen, den ich heute lieber Gottlieb nennen würde, aber er sprach in seinem Buch „Krankheit als Weg“ von Dingen, die mich durch ihre Wirksamkeit zu tiefst beeindruckten. Ich folgte diesen Ideen und recherchierte, sammelte Wissen und Ursprünge dessen, was er da beschrieb und was sich tatsächlich erfolgreich bei der Gesundwerdung anwenden ließ. – Und das war damals gar nicht einfach, denn es gab noch kein Internet und nur schwer zugängliche Literatur zu dem Thema.

Also mussten einige Stufen durchlaufen werden: Magie, Astrologie, Mystik, „Geheimlehren“, Tarot … und und und … manchmal ziemlich verquirlte Scheisse, gerade im Bereich der Anthroposophie oder den Lehren auf denen fast alles heutzutage beruht, der guten Madame Blavatsky, die heute kaum noch jemand kennt.

Die Lehre des inneren Kreises, war eine Lehre für Wenige. Schon im Mittelalter oder in der Antike und ich bin bis heute der festen Überzeugung, das dies gut so war!

Die Lehren, die sich aus überlieferter Magie, Philosophie und Naturbeobachtung entwickelten, waren nämlich neben den durch das Christentum verbreiteten Lehren, nicht auf Demut und Selbstaufgabe ausgelegt, sondern auf Stärke und Wachstum.

Fehlte es einem Menschen an Stärke und Wachstum, so begab er sich zu den Meistern des Faches, den Mystikern, Philosophen und Magiern – vielleicht andernorts in einer anderen Kultur auch zu seinem dorfbekannten Schamanen. Wenn es grundlegend schief lief, dann ging man bei uns in Deutschland zu seiner Hexe. Und alles wurde gut. Denn sie wussten was sie tun.

Ihr Wissen bezogen sie meist von ihren Ahnen, aus Naturbeobachtung und sofern es möglich war, aus der Lektüre mystischer Schriften. Letztere beruhten größtenteils auf den Grundlagen der Astrologie, der Magie mit ihrer Elementelehre und ganz normaler Menschenkenntnis.

Und es wollte niemand über den anderen hinauswachsen, mit seinem Leiden, seinen Problemen und eben der Lösung der Selbigen. Es gab Menschen die konnten helfen und es gab Menschen die gerne geholfen werden wollten.

Wie es weiterging

Es wurde trendchic sich mit Esoterik zu beschäftigen und wer nicht wenigstens eines der Vokabularien im Sprachgebrauch hatte, der war nicht mehr in und chic.

Fortan musste sich geöffnet werden, der Kontakt mit der geistigen Welt musste stimmen und wenigstens einmal im Jahr musste losgelassen werden. Bloß nicht an irgendwas festhalten – das hatte uns die Lehre des Buddhismus als Alternative zum Christentum erfolgreich eingetrichtert.

Tausende hatten erfolgreich losgelassen und der gute Osho lacht heute noch. Leider verstarb auch er und hinterlies tausende von Jüngern, die nun nicht mehr wussten, was und vor allem an wen, sie denn nun loslassen sollten.

Also ließen sie fortan einfach los und öffneten ihr Bewusstsein. – Ist ja wichtig!

Und sie wurden nicht müde, daraus ein Milliardengeschäft zu machen. Loslassen war ein Bedürfniss. Also los! Auf ins Seminar! Und je weniger von einem Loslasser übrig blieb, um so besser, er musste einfach weiter sein Karma bereinigen und fortan das passende Seminar von Scientology oder irgendeinem Sri-was-auch-immer besuchen. Hauptsache endlich weiterkommen und das Jammertal der Erde verlassen.

Denn das dieses nun so wirklich Scheiße sein muss, das ist ja nun jedem klar.

Wirklich? Uns umgibt das Schönste was wir neben den Welten unseres Ablebens kennen!

Und in der Hoffnungslosikeit entstand die Saat

Es kamen die Schamanen.

Wie Pilze, nach einem himmlischen Regen, schossen und sprossen sie plötzlich aus dem Boden. Und woher sie plötzlich alle kamen … die einen aus irgendeinem Slum aus Südamerika und vertickten Ayahuasca, fickten alles was bereitwillig die Beine breit machte, die anderen kamen aus Afrika und trommelten was die Schamlippen zum Schwingen brachte und irgendwo aus den fernsten Ecken entpuppten sich noch ein paar Indianer, die einfach den Urlaub in Europa genossen.

Nachdem die durchgezogen waren, brach die Welle der hiesigen Schamanen aus. Kaum einer, der diese Welle marketing technisch an sich vorüberziehen ließ. Und das geilste daran: Die sprachen schon wieder vom loslassen.

Es gab auch welche die lachten – und die fand ich die Guten. Sie sagten einfach: Ihr habt ein so wundervolles Land, warum lasst ihr es vor die Hunde gehen? Sucht Eure Frauen, Eure Plätze, Euer altes Wissen, Eure Kraft, Eure Lieder – ich kann für Euch hier nichts tun.

Und die weisen Schamanen gingen wieder nach Hause

Es blieben die Botschafter der geistigen Welt, da man diese nie und nimmer als Erdenbürger zur Rechenschaft ziehen kann.

Und welche Botschaften plötzlich zu uns kamen:

„Eine neue Welt entsteht!“

„Sei bereit!“

„Lasse los und komme mit!“

„Das Leiden hat ein Ende!“

… … Dein selbstbestimmtes Leben auch.

Jegliche Grundlagen magischen oder mystischen Wissens, welches bis heute greifbar und tatsächlich überliefert ist, jeglicher Bezug zur Mutter Erde hatte sich endlich verloren. Aus purer Verdummung und spiritueller Begierde. – Endlich besser sein als die Anderen, endlich gesünder leben und endlich frei von Prozessen und Themen sein.

Hauptsache: Loslassen!

Und ich frage Euch: Warum verlasst Ihr diesen Jammerplaneten nicht endlich?

Will hier noch jemand was? – Wenn ja, dann bitte melden.

Ansonsten nehme bitte jeder nur ein Kreuz!

Wir befinden uns hier, damit wir mit dem umzugehen lernen was man landläufig Willen, oder Lebenswillen nennt. Und ich freue mich über jeden Menschen der das will und diesen Willen auch noch lebt.

Dann sehe ich eine Chance – eine Chance dafür das die Kiste Leben nicht ganz den Bach herunter geht und unsere Kinder auf diesem Planeten noch glücklich leben können.

Nachgedroschene Platitüden deren Sinnfreiheit sich immer mehr enthüllt, da sie sich an oder durch die Platitüdenredner nicht abbilden lassen, bringen uns nicht weiter.

Wissen und das Wissen dieses Wissen umzusetzen, bekommt man nur selten in die Wiege gelegt, man muss es erwerben, bewahren und verbreiten.

Ein bisschen mehr geistige Nachhaltigkeit wünsche ich mir – nicht mehr.

Wie es endet

Ein weiser Mann sagte einmal:

Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht zu Ende ist, dann ist es noch nicht gut.

Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es nicht zu Ende.

Du musst nichts loslassen, Du musst nichts auflösen, Du musst nichts befreien, Du musst nichts beenden, Du musst kein Karma, Du musst keine Sünden, Du musst kein Leiden,

Du musst wollen!

Du musst Dich wollen!

Jetzt! – Morgen ist keine Zeit mehr dafür.

 

Schönes Wochenende wünscht,

Igor Warneck

19.5.2017

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